Neue Messe Karlsruhe
ein Schildbürgerstreich

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Inhalt:

I. Der deutsche Messemarkt

II. Standort und Größe der Neuen Messe Karlsruhe

III. Die Wirtschaftlichkeit einer Neuen Messe Karlsruhe

IV. Die Argumente der Befürworter einer Neuen Messe

V. Sonstige Mängel und Nachteile einer Neuen Messe am Standort Rheinstetten

VI. Alternative zu einer Neuen Messe in Forchheim

VII. Offene Fragen nach den Hintergründen







I. Der deutsche Messemarkt

Seit Jahren machen die deutschen Messeveranstalter mit Neubauten, Vergrößerungen und Milliardeninvestitionen von sich reden, obwohl das klassische Messegeschäft weitgehend ausgereizt ist. "Es gibt fast kein Messethema mehr, das nicht an irgend einem Standort einer Messe abgedeckt würde" sagt Klaus E.Goehrmann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Messe AG in Hannover.
Wie eng der deutsche Markt geworden ist, zeigen die seit 1998 insgesamt stagnierenden Zahlen der Aussteller, der Messebesucher, der vermieteten Fläche und die Verluste, welche die große Mehrzahl der deutschen Messen im Jahre 1999 produziere. Hier nur eine kleine Auswahl:

Messestandort

Ausstellungsfläche

Jahresverlust 1999

Ausbau geplant auf

Berlin

160.000 qm

1,64 Mio. EUR


Essen

90.000 qm

4,14 Mio. EUR

110.000 qm

Hamburg

64.000 qm

5,01 Mio. EUR


München

140.000 qm

14,83 Mio. EUR

160.000 qm

Düsseldorf

204.000 qm

65,91 Mio. EUR


Es lohnt sich, die Bilanzen der großen Messen in Deutschland anzusehen. Nur drei Messegesellschaften machen überhaupt einen betriebswirtschaftlichen Gewinn (Frankfurt, Hannover, Köln). Und selbst die Frankfurter Messe, - die umsatzstärkste und rentabelste deutsche Messe überhaupt - verdient in Relation zu dem großen Rad, das dort, gedreht wird, so wenig, daß die geplante Privatisierung gescheitert ist.

Obwohl der Markt mehr als gesättigt ist, werden unverdrossen immer noch neue Messeflächen erstellt, das Überangebot an Ausstellungsflächen steigt weiter.



II. Standort und Größe der Neuen Messe Karlsruhe

1. Karlsruhe als Messestadt

Als Standort für eine große internationale Messe ist Karlsruhe als dezentral gelegene, mittelgroße Stadt mit vergleichsweise kleinem Einzugsgebiet und wenig Industrie kaum geeignet. Außerdem fehlt ihr - mit Ausnahme der hervorragenden badischen Küche - jeglicher touristische Reiz. Außerhalb der Region, so die Gutachter von Roland Berger, wird die Attraktivität der Stadt Karlsruhe wie die der Städte Recklinghausen oder Herne eingestuft.
Die Verkehrsanbindung ist schon jetzt nicht gerade erstklassig und wird bei der Realisierung der Messe in Rheinstetten und Schließung des dortigen Verkehrslandeplatzes noch dürftiger. Darüber hinaus wird die Erreichbarkeit der neuen Messe gegenüber der bisherigen Messe im Stadtzentrum durch die Wahl des Standorts in Rheinstetten weiter verschlechtert.

2. Vergleich Neue Messe - alte Messe


Neue Messe

alte Messe




Standort:

Flugplatz Rheinstetten-Forchheim

Karlsruhe, Festplatz




Hallenfläche brutto:

50.000 qm

15.000 qm

Hallenfläche netto:

30.000 qm

8.000 qm

Freifläche:

10.000 qm


Flächenverbrauch:

22 ha Messegelände



10 ha Erweiterungsfläche



7 ha neue Zufahrtsstraßen




III. Die Wirtschaftlichkeit einer Neuen Messe Karlsruhe

1. Vorbemerkung zum Messebetreiber und den Gutachten

Die Karlsruher Kongress- und Ausstellungs- GmbH betreibt seit Jahren das Messe- und Ausstellungsgeschäft in Karlsruhe. Bei einem Umsatz von etwa 13 Mio. DM macht diese Gesellschaft jährliche Verluste zwischen 6 und 7 Mio. DM, welche zu Lasten des Steuerzahlers über den Haushalt der Stadt Karlsruhe ausgeglichen werden müssen. Schon daran allein ist zu erkennen, daß die KKA nicht in der Lage ist, das Messegeschäft professionell und erfolgreich zu betreiben.
Einen weiteren Beweis von Inkompetenz liefert die KKA, indem sie - anstatt erst einmal das bestehende Geschäft zu sanieren - zusammen mit der hinter ihr stehenden Stadtverwaltung dreistellige Millionenbeträge in einen längst überbesetzten Messemarkt investieren möchte.
Und schließlich entstehen erhebliche Zweifel an der Glaubwürdigkeit und Seriosität der KKA, wenn man feststellen muß, daß von der KKA und der hinter ihr stehenden Stadtverwaltung Wirtschaftlichkeitsberechnungen herumgereicht werden, die unvollständig, geschönt und falsch sind.
Um diese Falschprognosen der Öffentlichkeit gegenüber glaubwürdig zu machen, wurden Gutachter eingesetzt, die - so wörtlich aus einem Gutachten: - " sämtliche Annahmen in enger Abstimmung mit der Geschäftsführung der Karlsruher Kongress- und Ausstellungs-GmbH getroffen haben".
Die Gutachter haben also nach dem Grundsatz "wes Brot ich esse, des Lied ich sing", das vom Auftraggeber gewünschte positive Ergebnis der Wirtschaftlichkeitsberechnung als Zielvorgabe hingenommen. Sie haben auf eigene Überlegungen zur Wirtschaftlichkeit weitgehend verzichtet und sich in enger Abstimmung mit der KKA die zum gewünschten Endergebnis passenden grundlegenden Annahmen gesucht.
Wer sich intensiver mit der Materie befaßt, erkennt leicht, daß die den Gutachten zugrunde liegenden Daten und Annahmen unvollständig, teils falsch und teils frei erfunden sind. Folglich wird auch weitgehend darauf verzichtet, die den Gutachten zugrunde liegenden Annahmen und Daten seriös zu begründen oder zu belegen. Allenfalls werden Zahlen aus den Vorjahren bis 1998 einfach in die Zukunft extrapoliert, ohne dabei neuere Entwicklungen des Messegeschäfts wie das Überangebot an Ausstellungsflächen, die zunehmende Verlagerung von Messen in die Abnehmerländer und die rasant wachsende Nutzung neuer Techniken, wie das Internet, angemessen zu berücksichtigen.

Hier nur einige Beispiele für völlig unrealistischen Annahmen aus den Messegutachten:

Man könnte über solchen Unsinn lachen, wenn er den politischen Entscheidungsgremien Anfang 1999 nicht als Grundlage für die Entscheidung zum Bau der Neuen Messe Karlsruhe gedient hätte. Diese durch Desinformation der politischen Entscheidungsträger erschlichene Fehlentscheidung, wird, falls sie nicht noch korrigiert werden kann, allen Unternehmen und Bürgern in Karlsruhe schwere Nachteile bescheren.


2. Investitionsrechnung und Mittelherkunft

Wir haben in nachfolgender Kalkulation versucht, die gröbsten Unwahrscheinlichkeiten heraus zurechnen, geben aber gerne zu, daß auch unsere Zahlen weitgehend geschätzt sind. Sie dürften der Wirklichkeit jedoch wesentlich näher kommen, als alles, was bisher veröffentlicht wurde. Nach Verwirklichung des Vorhabens wird sich vermutlich herausstellen, daß die Zahlen in der Realität noch schlechter aussehen als es unsere Prognosen heute sind.

Erläuterungen zu den Investitionsausgaben:

Die Kalkulation enthält nicht die Erwerbskosten von sich noch in Privatbesitz befindlichen Grundstücken, nicht den vorgesehenen Straßenbahnanschluß, keine Straßenbahnverbindung zwischen Bahnhof und Messegelände, nicht die Kosten der Abstandszahlungen für die Flugsportvereine und nicht die Abrißkosten der Flugplatzinstallationen.

Erläuterungen zur Mittelherkunft:

Investitionen

Mio. DM

geplante Mittelherkunft

Mio. DM

Zerstörung Verkehrslandeplatz KA-Forchheim

25,0

Eigenkapital Stadt Karlsruhe

25,0

Baukosten Messegebäude

350,0

Kredite Stadt Karlsruhe

386,0

Baunebenkosten

35,0

Kredite Landkreis Karlsruhe

42,5

Betriebs- und Geschäftsausstattung

2,0

Kredite Land BW

30

Verkehrsanbindung und Erschließung

40,0

Kredite Rheinstetten

12,0

Untertunnelung von Bundesbahn u. Silberstreifen

30,0

Kredite Landkreis Rastatt

4,0

Akquisition, Werbung, Anlaufkosten

30,0

Kredite Baden-Baden

2,0



Kredite IHK und sonstige

0,5



EnBW AG

10


_____


_____

Summen

512,0


512,0



3. Kalkulation der Kosten und Erträge

Erläuterung zu den Kosten und Erträgen:

(in Mio. DM)

Einnahmen:

gesamt

Anteil KA




Netto-Umsatzerlöse (nach Fremdleistungen)

12,75

12,75

abzüglich altes Messegeschäft vom Festplatz

- 3,25

- 3,25

Nettoeinnahmen aus Neuer Messe

9,50

9,50




Ausgaben:






Kreditzinsen: 6,5% aus 487 Mio DM

31,65

25,10

Erbbauzins an Rheinstetten:

1,00

1,00

Abschreibungen (= Kredittilgung): 4% aus 487 Mio DM

19,48

16,00

lfd. Kosten f. Unterhalt, Marketing u. Personal

7,87

7,87

Gesamtaufwand pro Jahr

60,00

49,97




Jährlicher Zuschußbedarf der Neuen Messe

50,50

40,47



Die Erträge aus der Neuen Messe werden im Widerspruch zu den vorliegenden Gutachten aus folgenden Gründen kaum steigen und dauerhaft zu gering bleiben:
Im Endergebnis wird durch die Neue Messe der Steuerzahler mit mehr als 50 Mio. DM im Jahr und darin enthalten der Haushalt der Stadt Karlsruhe mit etwa 40 Mio. DM pro Jahr zusätzlich belastet.
Dies macht eine erhebliche Erhöhung des Gewerbesteuer-Hebesatzes in Karlsruhe erforderlich. Die Bürgermeister Fenrich und Kolb haben diese Steuererhöhung im Zusammenhang mit der Neuen Messe bereits angekündigt.



IV. Die Argumente der Befürworter einer Neuen Messe

Die Messebefürworter versprechen:
Aber: Die Neue Messe ist weitgehend ein Ersatz für die "alte Messe" am Festplatz. Den in Rheinstetten entstehenden und direkt dem Messegeschäft zuzuordnenden Arbeitsplätzen (Größenordnung 25) steht ein entsprechender Arbeitsplatzabbau in Karlsruhe gegenüber. Die Rationalisierungsvorteile der neuen Messestruktur werden die Vergrößerung der Messe auch ohne neue Arbeitsplätze ermöglichen.
Den Großteil der versprochenen Arbeitsplätze erwarten die Messebefürworter aus dem volkswirtschaftlichen Sekundärnutzen der Neuen Messe mit ihren "Produktions-, Beschäftigungs- und Steuer-Effekten".
Positive Effekte dieser Art könnten nur eintreten, wenn die Messeinvestitionen volkswirtschaftlich rentabel wären. Die Neue Messe ist dies nicht. Sie benötigt im Gegenteil ständige Zuschüsse, die aus einer bereits angekündigten Erhöhung der Gewerbesteuer aufgebracht werden sollen.
Steuererhöhungen haben negative Einkommens- und Beschäftigungseffekte und führen durch abnehmende Wettbewerbsfähigkeit der Karlsruher Unternehmen zu einem Abbau von Arbeitsplätzen. Die Gewerbesteuer in Karlsruhe ist jetzt schon höher als in den Nachbargemeinden. Viele Unternehmen sind deshalb in den letzten Jahren bereits in Nachbargemeinden umgezogen, oder haben Karlsruhe als Standort erst gar nicht in Erwägung gezogen. Eine weitere Erhöhung der Gewerbesteuer wird diese Situation verschärfen.
Die Gewerbesteuer zu erhöhen um eine überwiegend von ortsfremden Unternehmen genutzte Messe zu finanzieren, bedeutet geradezu die Zwangssubventionierung auswärtiger Wettbewerber durch die Unternehmen in Karlsruhe.
Der Zinsaufwand für die Neue Messe wird bei einem Zins von 6,5% in der Größenordnung von 32 Mio. DM pro Jahr liegen. Würde man dieses Geld - anstatt es für Bankzinsen auszugeben - als Lohnsubvention für die Beschäftigung von Langzeitarbeitslosen zahlen, könnten mit diesem Ertrag pro Jahr weit mehr als 2.000 nachhaltige Arbeitsplätze geschaffen werden.
Nicht für Karlsruhe:
Gewerbesteuereinnahmen aus dem Messevorhaben setzen Gewinne der Messegesellschaft voraus, also einen Überschuß der Erträge über die Kosten. Dies ist mit der Neuen Messe wie oben dargelegt unmöglich Übernachtungen in Verbindung mit dem Messegeschäft werden in Zukunft verstärkt in Rheinstetten erfolgen.Rheinstetten wird auch einen Teil des Karlsruher Kongressgeschäfts auf das neue Messegelände ziehen, da die Trennung des Kongressgeschäfts in Karlsruhe vom Messegeschäft in Rheinstetten sich als unzweckmäßig erweisen wird.
Rheinstetten:
Das geplante Messegelände liegt auf der Gemarkung der Gemeinde Rheinstetten. Daß die Neue Messe Karlsruhe für die Investoren kein Geschäft wird, braucht man der Stadtverwaltung von Rheinstetten nicht vorrechnen, sie hat es immer schon gewußt. Der erste Beigeordnete von Rheinstetten, Herr Berthold Treiber hat deshalb stets betont, daß Rheinstetten kein Risiko eingehen wolle und darum nicht nur die Messegesellschaft, sondern auch die Stadt Karlsruhe bezüglich der für das Gelände an Rheinstetten zu zahlenden Pacht von DM 1 Mio. pro Jahr verpflichtet habe.
Trotz besseren Wissens, hat Rheinstetten sich in dieses unwirtschaftliche Abenteuer hineinziehen lassen:
Für das Flugplatzgelände erhält Rheinstetten eine Pacht in der Größenordnung von DM 400.000,- pro Jahr. Diese Zahlungen würden Rheinstetten ohne Messe wie bisher zufließen, und könnten von der Gemeinde frei verwendet werden.
Wird die Messe gebaut, werden die Pachteinnahmen für das Flugplatzgelände durch die Pachteinnahmen für die Neue Messe ersetzt. Die jährlichen Pachteinnahmen (jeweils ohne Grundsteuer) steigen somit um die Differenz von etwa 600.000,- DM. Dieser Differenzbetrag muß sieben Jahre lang allein zur Finanzierung der Beteiligung an der Messegesellschaft in Höhe von 4 Mio. DM verrechnet werden. Dazu kommen die erforderlichen Investitionen der Gemeinde Rheinstetten für die Verkehrserschließung (Straßenbau, anteilige Kosten der Untertunnelung Silberstreifen) der Neuen Messe in einer Größenordnung von vielleicht 8 Mio. DM. Die Gemeinde Rheinstetten hat keine Guthaben, Messebeteiligung und Verkehrsinvestitionen müssen also kreditfinanziert werden müssen. 6,5% aus zwölf Millionen bedeuten Zinsen in Höhe von DM 780.000,- pro Jahr. Dies ist schon ohne Tilgung und Instandhaltung mehr als die Pachtdifferenz.

Da erkennt man leicht, daß auch für Rheinstetten die Neue Messe kein Geschäft wird.

Wegen des vorgesehenen Umzug der Schweinezuchtanstalt nach Boxberg ist auch ein Mangel an Gewerbeflächen, als Grund für die Umnutzung des Flugplatzgeländes nicht mehr gegeben.

Das Lärmproblem aus dem Betrieb des Flugplatzes hat sich durch die Abwanderung der größeren Maschinen nach Söllingen schon verringert und wird sich in den nächsten Jahren durch die Entwicklung immer leiserer Maschinen weiter reduzieren. Ein Beleg dafür ist die Firma Impulse Aircraft, die in Söllingen moderne, leise und leistungsfähige Flugzeuge entwickelt.
An ihrem derzeitigen Standort ist dieses Unternehmen übrigens nicht gern gesehen, der Bürgermeister von Rheinmünster befürchtet ein Gefährdungspotenzial für die Passagiermaschinen. Der Erhalt des Flugplatzes in Rheinstetten, böte die Möglichkeit solch innovativen Unternehmen einen neuen Standort in Rheinstetten anzubieten


Die Gutachten gehen davon aus, daß ein Messebesucher pro Tag mehrere hundert DM und jeder Aussteller mehrere tausend DM in der Region ausgibt. Daraus errechnen die Gutachter eine "Umwegrentabilität" des Messegeschäfts in der Größenordnung von 250 Mio DM für die Region.
Diese Zahlen sind ebenso eindrucksvoll wie unrealistisch. Sie sind frei erfunden und dumm dazu:
1)Im Durchschnitt aller Messen kommen in Karlsruhe 90% der Besucher und Aussteller aus der Region. Sie essen tagsüber an einer Imbißbude auf der Messe und fahren abends wieder nach Hause.
2)Besucher und Aussteller aus der Region würden ihr Geld vermutlich auch dann in der Region ausgegeben haben, hätten sie es nicht für den Messebesuch in Karlsruhe verbraucht.
3)Die Ausgaben der wenigen auswärtigen Besucher und Aussteller sind noch keine Wertschöpfung für die Region, sondern zunächst nur Umsätze, von denen z.B. der nicht aus der Region stammende Materialeinsatz und die Mehrwertsteuer abzuziehen sind.
4)Bei einer Berechnung der "Umwegrentabilität" für die Region ist noch der gesamte Schaden abzuziehen, welcher der Stadt Karlsruhe durch die betriebswirtschaftlichen Verluste der Neuen Messe und die dadurch notwendige Gewerbesteuererhöhung zugefügt wird.
5)Gelder die bereits für die Messe ausgegeben wurden, können zur Förderung von Wissenschaft und Forschung, für die Entwicklung von Zukunftstechnologien und neuen Medien sowie zur Förderung junger Unternehmen kein zweites Mal ausgegeben werden. Dies sind aber die Bereiche, deren Förderung die Region voran bringt.
Die behauptete "Umwegrentabilität" hat ein negatives Vorzeichen, sie ist ein Umwegverlust !
Zahlreiche Unternehmen werden aus dem Bau des Messegeländes kurzfristig Aufträge und Gewinne erzielen.
Aber: Bauvorhaben müssen ausgeschrieben werden. Karlsruher Unternehmen werden nur einen Teil der Bauaufträge erhalten. Überdies entstehen durch die Bauarbeiten keine Dauerarbeitsplätze.
Die Heidenstücker Siedlung liegt sehr nahe an der nordöstlichen An- und Abflugstrecke des Verkehrslandeplatzes Karlsruhe-Forchheim. Immer wieder haben sich Einwohner dieser Siedlung über Lärm beschwert, nicht nur, wenn einzelne Piloten die vorgeschriebene Platzrundenführung nicht eingehalten haben.
Dies dürfte seit Bestehen des Flugplatzes auch Einfluß auf die dortigen Grundstückspreise gehabt haben.
Nach einer Schließung des Verkehrslandeplatzes könnten die Einwohner der Heidenstücker Siedlung, also auch der dort wohnende Ex-Oberbürgermeister Herr Dr. Seiler, ihre Ruhe genießen und würden nach 2002 noch nicht einmal mehr durch das leise Zischen der Segelflugzeuge gestört.
Die Verbesserung des Wohnwerts dürfte sich auch als Wertsteigerung für die dortigen Grundstückspreise auswirken.




V. Sonstige Mängel und Nachteile einer Neuen Messe am Standort Rheinstetten

1. Verkehrsungünstige Lage
2. Nachteile aus der Schließung des Flugplatzes Karlsruhe Forchheim
3. Volkswirtschaftliche Schäden aus dem Messe-Neubau:
4. Ökologische Schäden

5. Beschädigung der politischen Kultur
Zwischen der Gemeinde Rheinstetten und den durch den Baden-Württembergischen Luftfahrtverband vertretenen Flugsportvereinen gab es einen Erbpachtvertrag zum Zweck der Sportfliegerei bis zum Jahre 2016. Die Gemeinde Rheinstetten stellte ihre wirtschaftlichen Interessen über das Interesse der Flugsportvereine und nötigte diese, auf die Einhaltung des Vertrags zu verzichten, um eine gewinnbringendere Nutzung dieses Geländes, z.B. zu Messezwecken, zu ermöglichen.
Es ist ein Zeichen von Verwilderung der politischen Sitten, wenn selbst Gebietskörperschaften aus Profitgier bestehende Verträge nicht mehr einhalten oder die Einhaltung von Verträgen durch vertragswidriges Verhalten unmöglich machen.
Pikant: Die Stadt Karlsruhe hat trotz Kenntnis des Erbpachtvertrages zwischen Rheinstetten und dem Luftfahrtverband, sich gegenüber den Betreibern des Flugplatzes in Söllingen (FlowTex-Gruppe) verpflichtet, einen Antrag auf Schließung des Flugplatzes Rheinstetten-Forchheim zu stellen; machte also Zusagen, die nur eingehalten werden können, wenn Rheinstetten seine Verträge bricht. Die FlowTex-Moral läßt schön grüßen!

Die von manchen Lokalpolitikern als Druckmittel zum Erhalt von Landesgeldern aufgebauschte "Badenfrage" stört das einträchtige Zusammenleben der Landesteile Baden-Württembergs.



VI. Alternative zu einer Neuen Messe in Forchheim

Für kleinere Messen mit lokaler und regionaler Bedeutung ist das Gelände hinter dem Hauptbahnhof Karlsruhe gegenüber dem Standort Rheinstetten besser geeignet und bietet im Vergleich zahlreiche Vorteile:

Der alternative Standort hinter dem Hauptbahnhof vermeidet weitgehend die Nachteile der derzeitigen Planung. Er wird deshalb von den Verantwortlichen der Stadt Karlsruhe sorgfältig aus der Diskussion ferngehalten. Deshalb wurde auch den Gutachtern (Baumgartner & Partner; Weidleplan; Symbios; Dorsch Consult) erst gar nicht die Aufgabe gestellt, bei der Abwägung der verschiedenen Standortalternativen dieses Gelände mit zu berücksichtigen. Würde es ernsthaft auf seine Eignung geprüft, käme Rheinstetten als Messestandort nicht mehr in Frage. Die Schließung des Flugplatzes Karlsruhe-Forchheim zugunsten des unwirtschaftlichen Baden-Airports in Söllingen ließe sich folglich nur noch schwer durchsetzen.

Eine zweiter alternativer Standort ist in Rheinstetten- Forchheim das Gelände der Landesanstalt für Schweine-zucht, welche nach Boxberg verlagert wird. Dieses Gelände, mit einer Fläche von ca. 100 ha in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof Rheinstetten und neben dem Verkehrslandeplatz Rheinstetten-Forchheim, befindet sich im Eigentum des Landes Baden Württemberg. Das Land könnte anstelle der zugesagten 30 Mio DM für die Neue Messe, ein Teil dieses Geländes als Sacheinlage zur Verfügung stellen. Die Barausgabe von 30 Mio. DM aus der Kasse des Landes BW könnte dadurch entfallen. Überdies würde kein funktionstüchtiger Flugplatz zerstört. Er würde erhalten bleiben und ebenso zu einer guten Verkehrsanbindung der Neuen Messe beitragen, wie die Rheintalstrecke der Deutschen Bundesbahn, auf der die Straßenbahnen der Stadt Karlsruhe schon jetzt bis nach Baden-Baden fahren



VII. Offene Fragen nach den Hintergründen


Die Entscheidung zum Bau der Neuen Messe Karlsruhe in Rheinstetten und die Umwandlung der ehemaligen Airbase in Rheinmünster zu einem Regionalflugplatz, beides in Verbindung mit der Schließung des Verkehrslandeplatzes Karlsruhe-Forchheim lassen sich rational mit einem gesamtwirtschaftlichen Nutzen nicht begründen.

Folgende Nutznießer sind allerdings erkennbar:

Diese Vorteile sind also nicht geeignet die Nachteile der gigantischen Fehlinvestitionen Neue Messe und Baden Airport für die Region rechtfertigen. Auf der Suche nach Gründen stellen sich weitere Fragen:

Vielleicht ist die Angst von Herrn Dr. Seiler und zahlreicher anderer Förderer vor der öffentlichen Blamage der Grund, warum an beiden Vorhaben festgehalten wird. Scheitern das Messevorhaben und der Baden-Airport, würde dies nicht nur den unterentwickelten wirtschaftlichen Sachverstand ihrer zahlreichen Förderer aus Politik, Verbänden, Banken und der IHK offenbaren, im Fall des Baden Airports würden auch viele der Verantwortlichen in den Verdacht geraten, nur der großzügigen Herren Schmider und Kleiser zuliebe, viele Millionen öffentlicher Gelder verbraten zu haben.
Um diesen Verdacht erst gar nicht aufkommen zu lassen, wird mit der Entscheidung für eine gigantische Neue Messe auf dem Verkehrslandeplatz Karlsruhe Forchheim dessen Schließung sichergestellt und damit vermutlich auch das Riesenverlustloch Baden-Airport offengehalten. Denn einen anderen Flugplatz in der Region gibt es dann nicht mehr.

Die Blamage der Herren über die öffentlichen Kassen ist damit aber nur aufgeschoben. Langfristig wird weder die Neue Messe noch der Baden-Airport sich den wirtschaftlichen Gesetzen entziehen können. Allenfalls hätte der Baden-Airport in vielen Jahren eine Chance, wenn er als Frachtflughafen mit Nachtbetrieb zugelassen wird. Die um ihre Nachtruhe betrogenen Bürger in den umliegenden Gemeinden werden sich bedanken.


Das Messevorhaben in Rheinstetten ist wirtschaftlicher Unsinn. Es beschädigt Wirtschaft, Arbeitsplätze und Freizeitwert der Stadt Karlsruhe.
Es sollte von verantwortungsbewußten Kommunalpolitikern nicht weiter verfolgt werden.


PS:
Eine Kostenüberprüfung des Baubetreuungsunternehmen Drees und Sommer, Stuttgart hat mittlerweile die Baukosten der Messegebäude in der bisher geplanten Ausführung mit 360 Mio. DM ermittelt und damit unsere Kostenrechnung weitgehenf bestätigt. Um 70 Mio. DM einzusparen ist nun eine qualitativ abgespeckte Version mit Blechhallen und ohne verglasten Eingangsbereich in der Planung. Diese wesentlich weniger attraktive Ausführung soll „nur“ noch Baukosten von 290 Mio. DM verursachen.
Solange die Messeplaner an der bisher vorgesehenen, überdimensionierten Größenordnung und dem äußerst ungünstigen Standort festhalten, ist mit einer nennenswerten Verringerung der Gesamtkosten des Vorhabens und einer Verbesserung der Erfolgserwartungen nicht zu rechnen.





Dipl.Kfm. Rainer Imhof
R.I.Vermögensbetreuung AG
Postfach 10 08 51, 76262 Ettlingen